Inkscape tutorial: Formen

Dieses Tutorial behandelt die vier Formwerkzeuge: Rechteck, Ellipse, Stern, und Spirale. Wir werden die Fähigkeiten dieser Werkzeuge demonstrieren und Ihnen einige mögliche Anwendungsbeispiele zeigen.

Sie können Strg+Pfeiltasten, das Mausrad oder Mittelklick+Ziehen benutzen, um die Arbeitsfläche nach unten zu bewegen. Um die Grundlagen der Objekterstellung, Auswahl und Bearbeitung zu lernen, schauen Sie sich bitte das Grundlagen-Tutorial in Hilfe > Einführungen an.

Inkscape bietet vier vielseitige Formwerkzeuge, von denen jedes seinen eigenen Typ von Form erstellt. Eine Form ist ein Objekt, welches mit formspezifischen Eigenschaften ausgestattet ist, welche man mittels verschiebbaren Anfassern und numerischen Parametern ändern kann, um das Aussehen der Form anzupassen.

Zum Beispiel können Sie bei einem Stern die Anzahl der Spitzen, ihre Länge, Winkel, Rundung, usw. verändern – aber ein Stern bleibt ein Stern. Eine Form ist »weniger universell« gegenüber einem einfachen Pfad, aber sie ist oft interessanter und besser geeignet. Sie können eine Form jederzeit in einen Pfad umwandeln (Strg+Umschalt+C), aber die Rückwandlung ist nicht möglich.

Die Formwerkzeuge sind Rechteck, Ellipse, Stern und Spirale. Zuerst schauen wir, wie die Formwerkzeuge im allgemeinen arbeiten, und danach werden wir jede Form im Detail kennenlernen.

Allgemeine Tipps

Eine neue Form wird durch Aufziehen der Form auf der Arbeitsfläche mit der Maus mit dem entsprechenden Werkzeug erzeugt. Sobald die Form erstellt ist (und so lange sie ausgewählt ist), zeigen sich ihre Anfasser als weiße rautenförmige, quadratische oder runde Markierungen, damit Sie sofort nur durch einfaches Ziehen an diesen Anfassern das Objekt verändern können, das Sie gerade erstellt haben.

Alle vier Formarten zeigen ihre Anfasser in allen vier Formwerkzeugen genauso wie im Knotenwerkzeug (F2). Wenn Sie Ihre Maus über einen Anfasser bewegen, zeigt Ihnen das Programm in der Statusleiste an, was passiert, wenn Sie an ihm ziehen / darauf klicken, während Sie die unterschiedlichen Modifikator-Tasten gedrückt halten.

Auch zeigt jedes Formwerkzeug seine Parameter in der Werkzeugeinstellungsleiste (welche horizontal über der Arbeitsfläche liegt). Üblicherweise befinden sich dort einige numerische Eingabefelder und eine Schaltfläche um die Werte auf den Standardwert zurückzusetzen. Wenn eine oder mehrere Formen des gleichen Typs ausgewählt sind und das entsprechende Formwerkzeug verwendet wird, verändern die in der Einstellungsleiste vorgenommenen Änderungen alle ausgewählten Formen.

Jede Änderung in der Einstellungsleiste wird auch für die nächste neu zu erstellende Form verwendet. Wenn Sie zum Beispiel die Anzahl der Spitzen eines Sternes ändern, werden neue Sterne mit der geänderten Anzahl Spitzen erstellt. Außerdem übermittelt jede ausgewählte Form ihre Parameter an die Einstellungsleiste zurück und setzt damit die Werte für neu zu erstellende Formen dieses Typs.

Wenn Sie ein Formwerkzeug verwenden, können Sie ein Objekt auswählen, indem Sie darauf klicken. Strg+Klicken (wählt in einer Gruppe) und Alt+Klicken (wählt darunter) funktionieren genauso wie im Auswahlwerkzeug. Esc hebt die Auswahl auf.

Rechtecke

Ein Rechteck ist die einfachste, aber wohl am häufigsten verwendete Form in Zeichnungen und Illustrationen. Inkscape versucht das Erstellen und Verändern der Rechtecke so einfach und komfortabel wie möglich zu machen.

Wechseln Sie mit F4 oder durch Klicken der Werkzeugleisten-Schaltfläche zum Rechteckwerkzeug . Zeichnen Sie ein neues Rechteck neben dem blauen:

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Dann wechseln Sie die Auswahl, ohne das Rechteckwerkzeug zu verlassen, von dem einem Rechteck zum anderen indem Sie einfach darauf klicken.

Tastatur-Kurzbefehle für das Zeichnen von Rechtecken:

Wie Sie sehen, zeigt das gewählte Rechteck (das zuletzt gezeichnete Rechteck ist immer ausgewählt) drei Anfasser in drei seiner Ecken. Tatsächlich sind es vier Anfasser, aber zwei von ihnen (die in der rechten oberen Ecke) überlagern sich, wenn das Rechteck nicht abgerundet ist. Diese zwei sind die Rundungsanfasser. Die anderen beiden (oben links und unten rechts) heißen Größenänderungsanfasser.

Lassen Sie uns zuerst die Rundungsanfasser betrachten. Greifen Sie einen von ihnen und ziehen ihn nach unten. Alle vier Ecken des Rechtecks werden rund, und Sie können nun auch den zweiten Rundungsanfasser sehen. Er bleibt an seinem ursprünglichen Platz in der Ecke. Wenn Sie kreisrunde Ecken wollen, brauchen Sie jetzt nichts weiter zu tun. Wenn Sie Ecken benötigen, die an einer Seite weiter abgerundet sind als an der anderen, müssen Sie den anderen Anfasser nach links ziehen.

Hier haben die ersten beiden Rechtecke kreisrunde Ecken und die anderen zwei haben elliptisch gerundete Ecken:

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Klicken Sie mit dem Rechteckwerkzeug auf die Rechtecke, um sie auszuwählen, und betrachten Sie die Position ihrer Rundungsanfasser.

Oft müssen Radius und Form der gerundeten Ecken in der gesamten Bildkomposition gleich sein, selbst wenn die Größe der Rechtecke unterschiedlich ist (denken Sie an Diagramme mit abgerundeten Kästen unterschiedlicher Größe). Inkscape macht es Ihnen damit leicht. Wechseln Sie in das Auswahlwerkzeug. In dessen Einstellungsleiste ist eine Gruppe von vier An-/Aus-Schaltflächen, von denen die zweite von links zwei konzentrisch gerundete Ecken zeigt. So können Sie kontrollieren, ob die runden Ecken sich anpassen sollen, wenn die Größe eines Rechtecks verändert wird.

Hier zum Beispiel wurde das ursprüngliche rote Rechteck mit ausgeschalteter »Skaliere runde Ecken«-Schaltfläche mehrmals dupliziert und mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen vergrößert und verkleinert.

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Sie sehen, dass die Größe und Form der gerundeten Ecken bei allen Rechtecken gleich ist, so dass sich die Rundungen in der rechten oberen Ecke, wo sich alle treffen, exakt überlagern. Alle gepunkteten blauen Rechtecke sind aus Kopien des roten Originalrechtecks entstanden, nur durch Vergrößern oder Verkleinern mit dem Auswahlwerkzeug und ohne manuelles Neueinstellen der Rundungsanfasser.

Zum Vergleich sehen Sie hier die gleiche Zusammenstellung, allerdings diesmal mit eingeschaltetem »Skaliere runde Ecken«-Schalter:

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Nun sehen die abgerundeten Ecken ebenso unterschiedlich aus wie die Rechtecke, zu denen sie gehören. Es gibt auch nicht die kleinste Übereinstimmung in der oberen rechten Ecke (zoomen Sie hinein, um das zu sehen). Das Ergebnis würde genauso aussehen (es aber nicht sein), wenn Sie das ursprüngliche Rechteck in einen Pfad umwandeln (Strg+Umschalt+C) und es als Pfad skalieren würden.

Dies sind die Modifikatortasten für die Rundungsanfasser eines Rechtecks:

Sie werden bemerkt haben, dass die Rechteck-Einstellungsleiste die horizontalen (Rx) und vertikalen (Ry) Rundungsradien für das gewählte Rechteck zeigt, so dass Sie diese präzise einstellen und alle verfügbaren Längeneinheiten verwenden können. Die Spitze Ecken-Schaltfläche bewirkt, was der Name besagt – sie entfernt die Rundungen von gewählten Rechtecken.

Ein wichtiger Vorteil dieser Einstellmöglichkeiten ist, dass man damit viele Rechtecke auf einmal beeinflussen kann. Wenn Sie zum Beispiel alle Rechtecke in einer Ebene ändern wollen, müssen Sie nur Strg+A (Alles auswählen) drücken und die entsprechenden Parameter in der Einstellungsleiste vornehmen. Wenn auch Nicht-Rechtecke ausgewählt sind, werden diese ignoriert – nur Rechtecke werden verändert.

Nun lassen Sie uns einen Blick auf die Größenänderung von Rechtecken werfen. Sie werden sich wundern, warum wir das alles brauchen, wenn wir doch einfach die Größe des Rechtecks mit dem Auswahlwerkzeug ändern können?

Das Problem mit dem Auswahlwerkzeug ist, dass es »horizontal« und »vertikal« immer in Bezug auf die Dokumentseite versteht. Im Gegensatz dazu arbeitet eine Größenänderung mit den Größenanfassern eines Rechtecks entlang der Rechteck-Seiten, selbst wenn das Rechteck gedreht oder geschert ist. Versuchen Sie zum Beispiel, die Größe des Rechteckes erst mit dem Auswahlwerkzeug und danach mit den Größenänderungsanfassern des Rechteckwerkzeugs zu verändern:

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Da es zwei Anfasser zum Ändern der Größe gibt, können Sie das Rechteck in jede Richtung vergrößern/verkleinern oder auch nur in Richtung seiner Seiten. Bei Änderungen, die mittels der Größenänderungsanfasser vorgenommen werden, bleiben die Rundungsradien erhalten.

Dies sind die Modifikatortasten für die Größenänderungsanfasser:

Hier ist nochmal dasselbe Rechteck – wenn man Strg festhält, lassen sich die Größenanfasser nur entlang der grau gepunkteten Linien bewegen (probieren Sie es aus).

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Mit Scheren und Drehen, und anschließendem Duplizieren und Größenänderungen mithilfe der Anfasser, können aus einem einfachen Rechteck ganz leicht dreidimensional anmutende Bilder erstellt werden:

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Hier sind ein paar weitere Beispiele von Rechteck-Kompositionen, die auch Eckenrundung und Farbverläufe verwenden:

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Ellipsen

Das Ellipsen-Werkzeug (F5) kann Ellipsen und Kreise erstellen, die Sie in Kreissegmente oder Kreisbögen abwandeln können. Die Modifikatortasten sind dieselben wie auch beim Rechteck-Werkzeug:

Lassen Sie uns die Anfasser einer Ellipse näher betrachten. Wählen Sie diese hier aus:

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Wieder sehen Sie anfangs drei Anfasser, aber in Wahrheit sind es vier. Der Anfasser ganz rechts ist eigentlich zwei sich überlappende Anfasser, welche es Ihnen erlauben, die Ellipse zu »öffnen«. Ziehen Sie zuerst am Anfasser ganz rechts, danach ziehen Sie am anderen Anfasser, der darunter nun sichtbar wird, um eine Auswahl an Segmenten oder Bögen zu bekommen:

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Um ein Segment (einen Kreisbogen mit zwei angrenzenden Radien bzw. ein »Tortenstück«) zu erhalten, fassen Sie den Anfasser der Ellipse und ziehen leicht außerhalb der Ellipse daran; um einen Bogen zu erhalten, tun Sie dasselbe leicht innerhalb. Oben sehen Sie 4 Segmente auf der linken und 3 Bögen auf der rechten Seite. Beachten Sie, dass Bögen nicht geschlossene Formen sind – das heißt, die Kontur geht nur an der Ellipse entlang, aber sie verbindet nicht die beiden Enden des Bogens. Sie können dies leichter sehen, wenn Sie die Füllung entfernen und nur die Konturen stehen lassen.

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Achten Sie auf die fächerartige Gruppe schmaler Segmente auf der linken Seite. Diese konnte durch das Ziehen am Anfassers mit gedrückter Strg-Taste zum Verwenden der Winkeleinrastfunktion einfach erstellt werden. Eine Übersicht über die Modifikatortasten für Bogen-/Segment-Anfasser:

Der Einrastwinkel kann in Inkscapes Einstellungen (unter Verhalten > Schritte) geändert werden.

Die anderen zwei Anfasser der Ellipse werden für Größenänderungen um das Zentrum herum verwendet. Deren Modifikatortasten wirken ähnlich wie bei den Rundungsanfassern eines Rechteckes:

Wie auch bei den Rechteck-Anfassern für die Größenänderung passen die Anfasser bei der Ellipse die Höhe und Breite im Koordinatensystem der Ellipse an. Das bedeutet, dass eine gedrehte oder gescherte Ellipse einfach entlang der Originalachsen gestreckt oder gequetscht werden kann, während sie gedreht oder geschert bleibt. Versuchen Sie die Größe einer der Ellipsen hier mit den Anfassern zu verändern:

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Sterne

Sterne sind die komplexesten und eindruckvollsten Formen, die Inkscape zu bieten hat. Wenn Sie vor Ihren Freunden mit Inkscape angeben möchten, lassen Sie diese mit dem Sternwerkzeug spielen. Es ist endlos unterhaltsam –geradezu süchtig machend!

Mit dem Sternwerkzeug kann man zwei verschiedene Arten von Objekten erstellen: Sterne und Polygone. Ein Stern hat zwei Anfasser, die die Länge und die Form der Spitzen beeinflussen; ein Polygon hat nur einen Anfasser, welcher das Polygon beim Ziehen daran einfach dreht und dessen Größe ändert:

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In der Einstellungsleiste des Sternwerkzeugs gibt es ganz links zwei Schaltflächen, mit denen man einstellen kann, welche Art von Form gezeichnet werden soll (Stern oder gleichmäßiges Vieleck). Als nächstes kommt ein Zahleneingabefeld, welches die Anzahl der Ecken für einen Stern oder Polygon bestimmt. Dieser Wert kann nur über die Einstellungsleiste gesetzt werden. Der erlaubte Bereich geht von 3 (klar) bis 1024, aber Sie sollten keine hohen Werte verwenden (sagen wir, über 200), wenn Sie einen langsamen Rechner haben.

Wenn Sie einen neuen Stern oder ein Polygon zeichnen,

Natürlich ist ein Stern die interessantere Form (wobei Polygone in der Praxis oft besser zu gebrauchen sind). Die beiden Anfasser eines Sterns haben leicht unterschiedliche Funktionen. Der erste Anfasser (zu Beginn liegt dieser am Scheitel, das heißt am Ende einer Spitze des Sterns) macht die Sternzacken länger oder kürzer, und wenn Sie daran drehen (relativ zum Zentrum der Form), dreht sich der andere Anfasser genauso mit. Das bedeutet, dass Sie die Sternzacken mit diesem Anfasser nicht verdrehen können.

Der andere Anfasser (zu Beginn in der konkaven Ecke zwischen zwei Zacken) ist, im Gegensatz zum anderen, frei radial und tangential zu bewegen, ohne den anderen Anfasser zu beeinflussen. (Dieser Anfasser kann sogar selbst zum Endpunkt einer Sternzacke werden, wenn man ihn weiter vom Zentrum wegzieht als den anderen Anfasser.) Mit diesem Anfasser kann man die Spitzen des Sterns so verdrehen, dass man damit alle möglichen Arten von Kristallen, Mandalas, Schneeflocken und Stachelschweinen erzeugen kann:

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Wenn Sie nur einen normalen Stern ohne solche Spielereien wollen, können Sie den Anfasser, der die Spitzen verdreht aber auch genauso wie den anderen Anfasser verwenden:

Als nützliche Ergänzung für das Aufziehen mit den Anfassern hat die Einstellungsleiste das Spitzenverhältnis-Feld, welches das Verhältnis des Abstandes der beiden Anfasser zum Zentrum definiert.

Inkscape-Sterne haben noch zwei weitere Tricks in petto. In der Geometrie ist ein Polygon eine Form mit geraden Kanten und spitzen Ecken. Im echten Leben sieht man jedoch überall unterschiedlich stark gekrümmte Kanten und gerundete Ecken – und Inkscape kann so etwas auch. Das Abrunden eines Sterns oder Polygons funktioniert allerdings etwas anders als das Abrunden der Ecken eines Rechtecks. Es ist egal, welchen der beiden Anfasser Sie dafür verwenden, aber

»Tangential« bedeutet hier: senkrecht zur Verbindungslinie zum Zentrum des Kreises. Wenn Sie einen Anfasser mit der Umschalttaste gegen den Uhrzeigersinn um das Zentrum »drehen« bekommen Sie positive Rundungen; im Uhrzeigersinn gedreht, bekommen Sie negative Rundungen. (Weiter unten finden Sie Beispiele mit negativer Rundung.)

Hier ist ein Vergleich zwischen einem abgerundeten Quadrat (mit dem Rechteckwerkzeug) und einem abgerundeten vierseitigen Polygon (Sternwerkzeug):

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Wie Sie sehen können, hat das gerundete Rechteck gerade Liniensegmente an seinen Seiten und kreisförmige (allgemeiner ausgedrückt: elliptische) Rundungen, während das gerundete Polygon überhaupt keine geraden Linien hat; seine Krümmung verändert sich stufenlos vom Maximum (in den Ecken) zum Minimum (in der Mitte zwischen den Ecken). Inkscape schafft dies einfach durch Hinzufügen kollinearer Bézier-Tangenten zu jedem Knoten der Form (Sie können diese sehen, wenn Sie die Form in einen Pfad umwandeln und im Knotenwerkzeug betrachten.)

Der Abrundungs-Parameter, den Sie in der Einstellungsleiste bearbeiten können, ist das Verhältnis der Länge dieser Tangenten zur Länge der Polygon/Stern-Seiten, an denen sie angrenzen. Dieser Parameter kann negativ sein, wodurch sich die Richtung der Tangenten umkehrt. Werte von 0,2 bis 0,4 ergeben eine »normale« Rundung der Art, wie Sie sie erwarten würden; andere Werte können zu schönen, hochkomplexen und total unberechenbaren Mustern führen. Ein Stern mit großen Rundungswert kann weit über die Positionen seiner Anfasser hinausreichen. Hier sind ein paar Beispiele, zu denen jeweils der Rundungswert angegeben ist:

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Wenn Sie möchten, dass die Zacken eines Sterns spitz, aber die Einkerbungen dazwischen abgerundet sind oder umgekehrt, so können Sie einfach einen Versatz (Strg+J) des Sterns erstellen:

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Umschalt+Ziehen an Anfassern eines Sterns ist sicher mit der schönste Zeitvertreib, den die Menschheit kennt. Aber es kommt noch besser.

Für realistischere Formen kann Inkscape seine Sterne und Polygone per Zufall ändern (das heißt, zufällig verzerrt). Leichte Zufallsänderungen machen einen Stern weniger regelmäßig, natürlicher, oft lustig; starke Zufallsänderungen sind eine spannende Möglichkeit, eine ganze Auswahl an unglaublich unberechenbaren Formen zu erhalten. Ein abgerundeter Stern bleibt weich gerundet, wenn er per Zufall geändert wird. Hier die Modifikatortasten:

Wenn Sie einen solchen zufälligen Stern zeichnen oder durch Ziehen an einem seiner Anfasser verändern, wird er dabei »zittern«, weil jede eindeutige Position seiner Anfasser eine Zufallsänderung bewirkt. Wenn Sie also den Anfasser ohne Alt bewegen, ändert sich die Form per Zufall mit derselben Effektstärke, während Alt+Ziehen die Richtung der Veränderung beibehält, jedoch die Stärke des Effektes anpasst. Hier sehen Sie einige Sterne, deren Parameter exakt gleich sind, aber jeder davon ist durch sehr leichte Bewegung seiner Anfasser zufallsgeändert (der Wert für die Zufallsänderung ist durchweg 0,1):

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Hier sehen Sie den mittleren Stern aus der obigen Reihe mit unterschiedlichen Werten für die Zufallsänderung von -0,2 bis +0,2:

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Benutzen Sie Alt+Ziehen mit einem Anfasser des mittleren Sternes in dieser Reihe, um zu sehen, wie er sich in seine Nachbarn zur Rechten und zur Linken verwandelt - und darüber hinaus.

Sie werden vermutlich Ihre eigene Verwendung für zufallsgeänderte Sterne finden, aber ich mag besonders gern abgerundete amöbenähnliche Kleckse und große, raue Planeten mit fantastischen Landschaften:

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Spiralen

Die Inkscape-Spirale ist eine vielseitige Form, und wenn auch nicht so aufregend wie der Stern, dennoch manchmal sehr nützlich. Eine Spirale wird, ebenso wie ein Stern, vom Zentrum aus gezeichnet, sowohl beim Zeichnen als auch beim Bearbeiten.

Einmal gezeichnet hat eine Spirale zwei Anfasser an ihrem inneren und äußeren Ende. Beide Anfasser rollen diese auf oder ab, wenn man daran (ohne Modifikatortaste) zieht (das heißt »verlängern« sie, ändern die Anzahl der Windungen). Die Modifikatortasten:

Äußerer Anfasser:

Innerer Anfasser:

Die Divergenz einer Spirale ist das Maß der Nichtlinearität ihrer Windungen. Wenn sie gleich 1 ist, sind die Abstände der Windungen der Spirale voneinander gleichmäßig; wenn sie kleiner als 1 ist (Alt+Ziehen aufwärts), dann wird die Spirale nach außen immer enger; wenn der Wert größer als 1 ist (Alt+Ziehen abwärts), dann liegen die Spiralwindungen zur Mitte hin immer näher beisammen.

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Die maximale Anzahl an Windungen einer Spirale beträgt 1024.

Ebenso wie das Ellipsenwerkzeug nicht nur Ellipsen, sondern auch Bögen erstellt (Linien mit konstanter Krümmung), kann das Spiralwerkzeug auch zum Zeichnen von Kurven mit sich stufenlos verändernder Krümmung genutzt werden. Verglichen mit einer normalen Bézier-Kurve sind ein Bogen oder eine Spirale oft praktischer, weil Sie ihn durch das Ziehen an einem Anfasser entlang der Kurve kürzer oder länger machen können, ohne dabei die Form zu verändern. Auch wenn eine Spirale normalerweise ohne Füllung erstellt wird, können Sie eine Füllung hinzufügen und die Konturlinien löschen, um einen interessanten Effekt zu erzielen.

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Besonders interessant sind Spiralen mit gestrichelten Linien - sie kombinieren die weiche Form mit regelmäßigen Markierungen, die voneinander immer denselben Abstand haben (Punkte oder Striche) wodurch schöne Moiré-Effekte entstehen:

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Fazit

Die Formwerkzeuge, die Inkscape zu bieten hat, sind sehr mächtig. Lernen Sie, wie Sie sie am besten einsetzen können und spielen Sie soviel Sie mögen damit herum - es macht sich bezahlt, wenn Sie sie effektiv für Ihre Arbeit benutzen können, da die Verwendung von Formen gegenüber der einfacher Pfade oft schneller zu einem Ergebnis führt und man diese leichter verändern kann. Wenn Sie Ideen zur Verbesserung der Formen haben, kontaktieren Sie bitte die Entwickler.